Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht in unserer Ferienwohnung am Comer See – unserem Zwischenquartier für diese und die kommende Tagestour – begann der Tag mit einem gesunden Frühstück (Müsli usw.). Als erste Herausforderung machten wir uns mit den italienischen technischen Details der Wohnung vertraut, aber zum Schluss erfolgreich. Die Wohnung bot einen genialen Blick über den stillen Comer See, eingerahmt von einem beeindruckenden Bergpanorama. Das war ein stimmungsvoller Start in unseren neuen Tourentag.
Gestärkt und voller Elan machten wir uns gegen 8 Uhr mit dem VW-Bus auf den Weg zur Ferrata Gruppo Alpina. Bereits nach wenigen Kilometern wartete die nächste Herausforderung auf uns: Die Straße, die wir am Tag zuvor noch gefahren waren, war wegen einer Baustelle gesperrt. Wir hatten sie gestern Abend im Dunkeln nicht wahrgenommen. Daher mussten wir umdrehen und einen langen Umweg auf uns nehmen. Der Tag war noch jung, und so genossen wir während der Fahrt die angenehme italienische Landschaft, denn die Anfahrt zum Einstieg führte durch sehr viele kleine, spannende italienische Orte.
Der letzte Abschnitt der Anfahrt führte über eine schmale, abenteuerliche Bergstraße, die schließlich in einer Sackgasse endete. Umso erleichterter waren wir, am nahegelegenen Friedhof eine geeignete Parkmöglichkeit für unseren Bus zu finden – gar nicht so einfach auf diesem Weg und so hoch gelegen! Nach dem Aussteigen schweifte unser erster Blick direkt hinauf zu der erhabenen, steilen Felswand, die wir gleich erklimmen wollten.
Entlang der Straße, vorbei an friedlich grasenden Eseln, folgten wir einem immer schmaler werdenden Pfad zum Einstieg der Ferrata. Plötzlich standen wir direkt vor einer beeindruckenden, glatten nach oben ragender Wand. Das Anlegen von Hüftgurt, Helm, Handschuhen und Klettersteigset gehört inzwischen zu einer vertrauten Routine, ebenso wie der Partner-Gegencheck der Ausrüstung – Sicherheit hat am Berg oberste Priorität. (Leider hatte ich anfangs immer noch meine Probleme mit dem Hüftgurt und Set, aber zum Schluss der Tour hat es dann auf einmal gepasst.)
Unser Einstieg in die Wand führte zunächst über A- und B-Abschnitte. Trotz der wenigen künstlichen Hilfen erforderten die Steilheit der Wand und die raue Felsbeschaffenheit erhöhte Aufmerksamkeit, insbesondere für diejenigen, die noch nicht über den Erfahrungsschatz der Gruppe verfügten. Die Wand war mit natürlichen Griffen ausgestattet, die das Klettern angenehm machten, gleichzeitig aber genaues Überlegen für sichere Griffe und Tritte verlangten. Ein Blick zurück über die Schulter offenbarte uns einen atemberaubenden Ausblick auf den See – ein faszinierendes und erhabenes Gefühl, das noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Weiter oben erreichten wir die erste mit C gekennzeichnete Stelle, die Kraft, Konzentration und Sorgfalt erforderte. Nach dieser Passage gönnten wir uns eine wohlverdiente Pause und genossen das stolze Lächeln in den Gesichtern der Gruppe, da der erste steile Abschnitt erfolgreich gemeistert war. Der restliche Aufstieg bis zum Gipfel bestand wieder aus A- und B-Abschnitten und bot keine weiteren nennenswerten Schwierigkeiten, sozusagen Gehgelände. Am Gipfelkreuz angekommen wurden wir mit einer klaren Sicht auf den Comer See und das umliegende Panorama belohnt – schlichtweg atemberaubend. Das herrliche Wetter und die angenehm warmen Temperaturen unterstrichen das intensive Glücksgefühl dieses Moments.
Nach einer weiteren Pause, in der wir uns stärkten, führte uns der Weg über den Bergkamm entlang schroffer Felsen und durch Latschenkiefern bis hinauf zum Gipfel des Medale San Martino, dem zweiten Gipfelkreuz des Tages. Auch hier wurden wir erneut mit einem grandiosen Blick auf den Comer See belohnt. Das gleißende Sonnenlicht, das sich silbern im Wasser spiegelte, lud zum Verweilen ein – doch der Abstieg wartete, und das früh schwindende Tageslicht erinnerte uns daran, dass die Zeit drängt.
Der Abstieg führte zunächst über einen steilen, steinigen Pfad bis zur Kapelle Madonna del Carmine. Viele nutzten die kurze Rast für einen Besuch der Kapelle. Ab hier wurde der Weg durch Stufen leichter zu begehen, und die Umgebung verschmolz zunehmend zu der idyllischen Landschaft, die diese Region Italiens so einzigartig macht. Die Rundtour endete schließlich mit einem letzten Blick zurück auf den Klettersteig und den Medale San Martino.
Die Gesamtstrecke betrug 5,26 km, die reine Gehzeit 4:38 Stunden ohne Pausen. Im Aufstieg legten wir 540 Höhenmeter zurück, im Abstieg 730 Höhenmeter. Glücklich und zufrieden mit unserer Leistung kehrten wir zum VW-Bus zurück und waren erleichtert, dass weder ein Bußgeld noch ein abgeschleppter Bus unsere Rückkehr trübten – keineswegs selbstverständlich in dieser Region und Höhe. Alles war gut verlaufen, und auch der Wettergott hatte es heute gut mit uns gemeint – ein Tag voller purer Glücksgefühle.
Zurück in unserer Ferienwohnung freuten wir uns über einen gemeinsamen, erholsamen Abend. Die Rückfahrt war diesmal leichter, das erhöhte Verkehrsaufkommen hatte sich beruhigt und wir sind optimal zu unserer Unterkunft gekommen, ohne Behinderung durch die Baustelle. Somit konnten wir noch die Nachmittagssonne auf der Terrasse der Ferienwohnung mit einem kühlen Getränk genießen. Am Abend konnten wir diesen herrlichen Tourentag mit köstlichen Pizzen erfolgreich abschließen.
Ich nehme von der Tour mit, dass mir die Klettersteige sehr viel Spaß gemacht haben und ich viel dazu gelernt habe durch unseren Tourenleiter Hans. Es war auch eine tolle Gruppe, die gegenseitige Hilfsbereitschaft war einfach toll und wir hatten viel Spaß.
Vielen Dank an Hans, er war ein super Tourenleiter.