Der Kleine Gilfert übers Nurpenstal wäre da was. Oder auch der Gressenstein in der Wildschönau. Beide Touren stelle ich am nächsten Morgen meinen Leuten vor. Kaum sitzen wir im Sektionsbus, diskutieren sie fleißig, und schon in Lorenzenberg war die Wahl getroffen. So ging es über Wörgl zur Schönangeralm. Bis ganz hinten war so wenig von unserem Suchtstoff, es war ein Drama. Doch die Loipe war gespurt. Das freut das Tourenleiterherz. Das Ganze könnte sich ausgehen und das Wetter ist erfreulich gut.
Loipe und anschließende Forststraße ziehen sich, aber es ist ein rettendes, weißes Band nach oben. Ratschenderweise spulen wir Kilometer um Kilometer ab. Die Südhänge am Großen Beil sind ziemlich lückig, in Richtung unseres Zieles schaut’s da schon viel besser aus.
„Weiß“ heißt das Buch, das ich gerade lese. Eine Skidurchquerung der Alpen von West nach Ost. An sowas ist heuer gar nicht zu denken. Insbesondere in den Ostalpen, grad im Norden. Aber man wird ja bescheiden.
Vorbei geht’s an der Gressensteinalm weiter Richtung Westen. Der vorhergesagte starke Wind bleibt aus, am Gipfel rührt sich fast kein Lüftchen. Aber vorher heißt es noch, den steilen Hang zum Kreuz zu meistern. Harscheisen dran, schon geht’s leichter. Dramatische Wolkenstimmungen, immer wieder sonnige Abschnitte. Mutterseelenallein auf der ganzen Tour. Einzeln fahren wir anschließend die ersten Hänge rein. Gar nicht mal so schlecht, gut sogar. Je flacher es wird, desto besser. Der Triebschnee hat die alten Spuren aufgefüllt, da kommt richtige Abfahrtsfreude auf. Weiter unten auf der Forststraße schießen wir bergab. Naja, ein wenig versagt mein Wachs bei dem Brems-Schnee.
Die Schönangeralm hat auf. Während wir auf den Apfelstrudel warten, nutzen wir das WLAN und tauschen fleißig Bilder aus. Gut, dass ich diese Tour nicht abgesagt habe.
Christian Ranke