Das Wetter versprach an diesem Wochenende erstmals in diesem Jahr frühlingshafte Bedingungen – beste Voraussetzungen für unsere zweitägige Schneeschuhtour mit dem DAV Grafing ins Dachsteingebirge. Die Vorfreude war entsprechend groß. Geleitet wurde die Tour von Lutz, unserem erfahrenen Tourenleiter. Insgesamt waren wir neun Teilnehmer.
Wie gewohnt begann der Tag früh: Bereits um 6 Uhr trafen wir uns am DAV-Vereinsheim in Grafing. Schon auf der zweistündigen Anfahrt wuchs die Vorfreude spürbar. Ein eindrucksvoller Sonnenaufgang über dem Alpenpanorama begleitete uns und ließ erahnen, was uns erwarten würde.
Am Parkplatz angekommen, genossen wir zunächst die klare, kalte Morgenluft und den Blick hinauf zu den Bergen. Unsere Rucksäcke waren gut gefüllt: LVS-Gerät, Schaufel, Grödel, ausreichend Verpflegung, Wechselkleidung – und natürlich die Schneeschuhe, die zu Beginn noch außen am Rucksack befestigt waren.
Der Aufstieg startete steil, teils schneebedeckt, stellenweise eisig – volle Aufmerksamkeit war gefragt. Bei rund fünf Grad plus wurde uns schnell warm, sodass wir bald die ersten Kleidungsschichten ablegten. Die Sonne stand bereits hoch genug, um den Schnee gleißend hell erstrahlen zu lassen. Ohne Sonnenbrille wäre der Blick auf das majestätische Dachsteinmassiv kaum möglich gewesen. Ein wolkenloser Himmel, schneebedeckte Gipfel und glitzernder Schnee – schöner kann ein Wintertag kaum sein.
Mit zunehmender Höhe wurde die Schneedecke tiefer und weicher. Das Einsinken erschwerte das Gehen spürbar, und schließlich war der Moment gekommen, unsere Schneeschuhe anzulegen. Mit den ersten Schritten stellte sich sofort Erleichterung ein – das Gehen im tiefen Schnee wurde deutlich angenehmer und kraftsparender.
Stetig ansteigend, begleitet vom beeindruckenden Blick auf das Dachsteinmassiv, genossen wir die erste Etappe mit Schneeschuhen in vollen Zügen. Lutz hatte eine abwechslungsreiche, landschaftlich reizvolle und zugleich sichere Route gewählt. Besonders wichtig: Die Strecke bot eine gute Lawinensicherheit – ein entscheidender Faktor bei winterlichen Touren.
Der Weg führte uns durch eine traumhafte Winterlandschaft: verschneite Bäume, glitzernde Ebenen, imposante Felsformationen und eine beeindruckende Bergkulisse ringsum. Ein steiler Anstieg wurde von einer ebenso steilen Passage in eine Rinne abgelöst – sowohl bergauf als auch bergab forderte uns das Gelände konditionell wie technisch, ebenso geistig, da volle Konzentration gefragt war!
Nach diesen Anstrengungen erreichten wir das Plateau am Sulzenhals. Bei strahlendem Sonnenschein eröffnete sich uns ein überwältigendes Panorama: freier Blick auf Hochkönig, Dachstein und sogar bis zum Großvenediger. Kaum Menschen waren unterwegs, nur vereinzelte Skitourengeher. Die Ruhe, das Licht und die Weite dieser Landschaft ließen uns für einen Moment innehalten. Worte waren hier fast überflüssig – die Eindrücke sprachen für sich.
Nach einer kurzen Trinkpause ging es weiter zur Sulzenschneid auf 1990 m, die wir etwa 30 Minuten später erreichten. Am Gipfelkreuz wieder ein beeindruckendes 360°-Panorama vom Großvenediger über den Hochkönig, die Bischofsmütze am Gosaukamm, die gewaltigen Südwände des Dachsteins bis hinunter nach Schladming – bei diesem Wetter ein unvergesslicher Anblick.
Nach den obligatorischen Gipfelfotos begann der Abstieg – und der entwickelte sich zu einem echten Vergnügen. Der ständige Schnee-Powder-Alarm hier inmitten dieser Latschenkiefern, der sich immer wieder lösende feine Schnee-Staub – ein herrliches Vergnügen. So stapften wir durch Pulverschnee, zogen unsere eigenen Spuren und sprangen stellenweise regelrecht in den weichen Schnee. Es war ein Stück kindliche Freude, das uns alle erfasste – unbeschwert, ausgelassen und voller Energie.
Glücklich und zufrieden erreichten wir schließlich wieder den Parkplatz. Von dort fuhren wir weiter nach Ramsau im Ennstal, bekannt als Drehort der ZDF-Serie „Der Bergretter“. In einem Café belohnten wir uns mit Kaffee und Kuchen für die heutige Leistung. Ein zusätzliches Highlight war der Blick auf die nahegelegene Skisprungschanze, auf der gerade trainiert wurde.
Am späten Nachmittag erreichten wir unser Quartier, die Pension Langbrucker in Großsölk. Nach einer kurzen und willkommenen Ruhepause machten wir uns abends auf den Weg zum gemeinsamen Essen ins Wirtshaus Einöd. Geführt von einer vietnamesischen Familie, serviert es regionale österreichische Spezialitäten – eine überraschende, aber äußerst gelungene Kombination. Gutes Essen, herzlicher Service und eine besondere Atmosphäre sorgten für einen heiteren und geselligen Abend.
Ein rundum gelungener erster Tourentag ging zu Ende. Müde, aber erfüllt von den Eindrücken dieses sonnigen Wintertages, fielen wir schließlich in unsere Betten.
Ein herzlicher Dank gilt Lutz, der diese wunderbare Tour geplant und sicher geführt hat – und uns damit einen unvergesslichen Tag in einer großartigen Gruppe ermöglicht hat.
Christa Eberle