© DAV Sektion Ebersberg-Grafing

Wanderwochenende im Höllengebirge

11.10.2025

Die wahren Perlen sind versteckt, so war es auch mit dieser Tour. Nur im Sektions-Internet zu finden, aber umso interessanter.

Moment mal, Höllengebirge, wo ist denn das eigentlich? Ein Blick in den alten braunen Schulatlas zeigt: Im fernen Oberösterreich, zwischen dem Attersee im Westen und dem Traunsee im Osten, liegt ein Gebirgsstock mit steilen Wänden rundherum und einer ausgedehnten Hochfläche – das Höllengebirge. Für uns aus dem Münchner Umland ein wenig abgelegen, bietet es eine gute Möglichkeit, Neuland zu entdecken.

Also trafen wir uns zu zehnt an einem herbstlich neblig-trüben Samstag in der Früh am Stadtbahnhof in Grafing. Aber der Wetterbericht hatte Sonne ab elf versprochen, und so fuhren wir los. Schon gut zwei Stunden später schnürten wir am Parkplatz die Schuhe, und es ging los. Erst hinauf durch den Wald, dann unter steilen Felsen entlang, bis zur Abzweigung des Aubodenplattensteigs. Wo soll man da hinaufkommen? Glatte Felswände versperrten den Weg. Rechts ein einzeln stehender Spitz, den Lutz nach einem kurzen Blick auf die Karte als Vöcklabrucker Turm identifizierte.

Aber der Weg war gut markiert und führte über eine bequeme, von unten nicht einsehbare Rampe in einem weiten Bogen von unten nach links oben und nach einer kurzen, ausgesetzten Unterbrechungsstelle wieder nach rechts durch die Wand. Der Weg war recht steil, aber ohne Schwierigkeiten zu begehen. Schon bald wurde das Gelände flacher und gegen Mittag erreichten wir die Hochfläche der Brunftböden. Hügel reihte sich an Hügel, alle dicht mit Latschen bedeckt, so weit das Auge reicht. Zum Glück war der Weg recht gut ausgeschnitten.

So öffnete sich schon bald vor uns die kleine Lichtung mit der Gaisalm, die wohl nur noch als Jagdhütte verwendet wird. Dort machten wir eine längere Pause, stärkten uns und betrachteten das Spiel der Wolken. Immer wieder kämpfte sich die Sonne durch den Nebel, und wir hatten schöne Blicke hinunter zum Attersee und auf die Nachbargipfel. Dann aber zogen wieder Nebelfetzen von unten herauf und hüllten die ganze Landschaft in ein geheimnisvolles Licht. Leider war es nicht gerade warm, darum gingen wir bald im stetigen Auf und Ab weiter und erreichten pünktlich zum Nachmittagskaffee unsere Hütte, das Hochleckenhaus der ÖAV-Sektion Vöcklabruck. Ein seltsamer Name, wo kam denn der her? Der Hüttenwirt erklärte uns, dass „Lecken“ ein einheimischer Begriff für Latschen ist. Ja, das passte. Das Haus selbst steht auf einer großen Lichtung, rundherum aber dichte Latschenfelder, so weit das Auge reicht. Und hoch über dem Attersee waren wir ja auch!

Am nächsten Morgen war der Nebel noch ein wenig dichter geworden. Wir ließen uns davon nicht beirren, und machten uns gegen 8 Uhr auf den Weg. Zunächst wieder bergab, an zahlreichen kleinen und großen Dolinen vorbei, und hinauf zum ersten Gipfel für heute: dem Hochleckenkogel. Die Sicht hatte sich ein wenig gebessert, die Sonne mühte sich durch die Wolken, und im Süden meinten wir schon das Mittelmeer zu sehen. Es waren aber wohl eher Nachbarberge, die in der Sonne glänzten. Nach einer weiteren Senke kam dann schließlich der Schlussanstieg, und wir erreichten zunächst den Mathiaskogel mit einem winzigen Gipfelkreuz und schließlich den Hauptgipfel des westlichen Höllengebirges, den Brunnkogel. Ein gewaltiges Gipfelkreuz steht auf der freien Kuppe da oben, bestimmt schon von Weitem zu sehen. Und damit es nicht umfällt, ist es mit zehn Seilen verspannt!

Nach einer längeren Gipfelrast begannen wir mit dem langen Abstieg. Steil führte der Weg an den letzten Schneeflecken vorbei, und bald waren wir wieder unter der Nebeldecke. Plötzlich, schon wieder im Wald, dann ein überraschender Tiefblick: In einem Talkessel ganz weit unten sahen wir unser nächstes Zwischenziel, den Hinteren Langbathsee. Zunächst ging es drahtseilgesichert an einer Felswand hinunter, dann steil durch eine kleine Schlucht und unter den Nordostabstürzen des Brunnkogels hinab. Schließlich erreichten wir einen kleinen Unterstand direkt an der oberen Kante der letzten Wand vor dem Talkessel. Zum Glück begann hier wieder das Drahtseil, denn der Weg schlängelte sich nun durch die nahezu senkrechte Felswand hinunter. Vorsichtig tasteten wir uns abwärts, ein Fehltritt wäre hier fatal gewesen. Aber gut zwanzig Minuten später erreichten wir alle wohlbehalten den Talboden, liefen abwärts zum See und blickten zurück auf die riesige Flanke, durch die wir auf dem Schafluckensteig gut heruntergekommen waren.

Inzwischen hatte sich der Nebel nun doch aufgelöst. Der goldene Oktober machte seinem Namen alle Ehre. Die Laubbäume leuchteten in allen Gelbtönen um die Wette. Wir stiegen im Sonnenschein zum nächsten Pass hinauf und wanderten durch weite Wälder zum Taferlklaussee, wo eines unserer Autos auf uns wartete. Während Lutz und Hannes das andere Auto holten, genossen wir die letzten Sonnenstrahlen an diesem idyllischen kleinen See, nochmal mit Blick auf das riesige Gipfelkreuz über den steilen Nordabbrüchen auf dem Brunnkogel. Kaum zu glauben, dass wir noch vor wenigen Stunden da oben waren!

Leider war die Taferlklausstube am See geschlossen, deshalb beschlossen wir, zur Einkehr an den Attersee zu fahren. Die Mostschänke Grablerhof im kleinen Ort Seefeld war zwar ebenfalls geschlossen, aber freundlicherweise erklärte sich der Wirt bereit, uns trotzdem eine Runde Most und Kaffee auszuschenken. So saßen wir auf der Terrasse in der wärmenden Nachmittagssonne, aßen die letzten Süßigkeiten aus dem Rucksack und ließen die wunderschöne Tour ausklingen.

Rainer Kropf